2011

Was haben Tough Guys und Pinguine gemeinsam?

Sie kommen erst bei Minustemperaturen auf Betriebstemperatur. Das konnte man denken, als rund 5.000 Läufer am Sonntag den 1.2.2015 in Wolverhampton zum 29sten mal antraten, um einen der härtesten Hindernisläufe der Welt zu bestreiten.

Nach einem recht milden Winter fielen die Temperaturen auf Insel noch einmal kräftig. Bei Temperaturen um die Minusgrade erreichte ich am Samstag Nachmittag das Tough Guy Gelände an der Jenny Walkers Lane in Perton. Nach Abholung der Unterlagen beschloß ich einen Rundgang über die schneefreien Killing Fields zu absolvieren. Mein erster Blick galt den Wasserhindernissen. Puuhh. Eisfrei. Sehr gut. Doch nach einer händischen Wasserprobe relativierte sich die Freunde darüber schlagartig. Gefühlt schien das Wasser direkt aus der Arktis zu stammen. Während die Fahnen im eisigen Wind wehten inspizierten einige Läufer die friedlich wirkenden Killing Fields. Gegen Ende meiner Runde erstrahlten diese im Glanz der untergehenden Abendsonne. Kaum zu Glauben, dass am nächsten Tag hier die Hölle los sein sollte.

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Und dann war er da. Der Bibber-Day. Im B&B gut gefrühstückt ging es um 10 Uhr Richtung Tough Guy Gelände. Und rund 20 Minuten später stand ich bereits auf dem Parkplatz bei den Killing Fields. Jetzt nur noch die Tasche in der „Scheune“ untergebracht bevor es zum Treffen mit Micha ging. Ein Berliner Leidensgenosse, der auch schon einige Hindernisläufe auf dem Buckel hat. Gemeinsam ging es zum Startbereich der Tough Guy Squads.

Etwas verspätet fiel der Kanonenschuss zum 29sten Tough Guy in Wolverhampton. Und um 11:13:52 ging es für uns, die zweite Startgruppe, auf die Strecke. Mit tosendem Gebrüll walzte die Meute den Hügel hinunter. Wie bei einer einer Massenkampfszene aus dem Film Braveheart. Trotz der vielen Läufer aus 37 Nationen kamen wir im Startfeld gut voran. Im Vergleich zum letzten Jahr war die Strecke weniger „nass“, wenn man das so sagen kann :-). Einige der Wasserlöcher waren mit weniger Wasser gefüllt, was aber keinerlei Auswirkung auf deren Forstfaktor hatte. Denn die Anzahl der Wasserhindernisse auf der Strecke wurde von Mr. Mouse erhöht.

Tough Guy 2015 StreckenverlaufWie die Jahre zuvor führte die Strecke zuerst über die Killing Fields aufs freie Gelände. Allmählich kam Ruhe in die laufende Masse und jeder Läufer fand sein eingenes Tempo. Hier habe ich auch Micha aus den Augen verloren. Die ersten 5 Kilometer waren gespickt von zahlreichen Hürden und Moorgruben, die einem einiges an Kraft raubten. Eines der Highlights am Ende des Tough Guy Geländes war die Slalomstrecke. Hier verlangsamte sich auch mein Tempo, denn die Steigungen waren mörderisch.

Das Video zeigt einen schönen Zusammenschnitt der Tough Guy Strecke 2015

Tough Chicken Tough Guy 2015Im darauf folgenden Waldstück erwarteten uns zahllose Wassergräben, Netze und Hindernisse. Langsam näherten wir uns dem zweiten Teil des Kurses, den Killing Fields. Hier ist Durchhaltewille gefragt. Nasse Klamotten, kalter Wind und Kletterpassagen sind in diesem Abschnitt ständiger Begleiter. Zeit zum Durchschnaufen gab bzw. wollte ich nicht. Denn das hätte die Gefahr einer Unterkühlung erhöht. Also ging es weiter durch den Vietcong Tunnel, vorbei an Elektroschockern und durch enge Betonröhren. Nach den Jelly Babies, einer süßen Zwischenmahlzeit, folgten weitere Kombination aus Laufen und Klettern, immer begleitet von „erfrischenden“ Wasserhindernissen. Und dann kamen sie unweigerlich auf mich zu.

streckenprofil-tough-guy-2015Die Watertunnels. Dies bedeutete eine vierfache Dosis Gehirnfrost. Vier mal den Kopf in eiskaltes Wasser getaucht brachte die Birne zum Platzen. Der Brustkorb schnürte sich zusammen, das Atmen schmerzte. Da half nur eins. Fluchen. Fluchen. Fluchen. Und weiterlaufen. Hoch auf die Brandenburg Wall. Diese überwunden stand das Hindernis Death Plunge inklusive einer zweiten Gehirnfrosttherapie an. Der Sprung von der Planke in das eiskühle Nass erinnerte mich erneut, wo ich mich befand. Mitten in den Killing Fields. Nach dem Auftauchen schnappte ich wieder nach Luft, die ich auch benötigte, um ans Ufer zu schwimmen. Geschafft. Diese beiden Hindernisse waren für mich die Schlüsselstellen. Jetzt hieß es in Bewegung bleiben. Denn nur so konnte ich der Kälte Herr werden. Eine Kombination aus Laufen und Fluchen wärmten meinen Körper und meine Seele. Nur so ging es weiter.  Am Colosseum, ein Hindernis das Kletter- und Balanciereigenschaften erfordert, hatte ich den Anflug eines Krampfes in der rechten Wade. Gott sei Dank konnte ich ihn durch die Anspannung des Muskels verhindern. Anschließend ging es im Colosseum nur vorsichtig weiter, auch auf die Gefahr hin, des öfteren nass zu werden. Denn einen Krampf wollte ich auf keinen Fall riskieren.

Das Ziel vor Augen absolvierte ich die restliche Strecke fast in Trance. Nach einem harten Stück Entbehrungen, Schmerzen und Kälteschocks erreichte ich die Ziellinie in 2:41:45. Als 649 von rund 5.000 Tough Guys and Girls. 1.500 erreichten, meist wegen Unterkühlung, leider nicht das Ziel. Aber ich bin mir sicher. Auch sie werden nächstes Jahr wieder auf dem Hügel stehen. Denn wer es einmal getan hat, der wird es wieder tun.

Euer
TC

PS: Neben all den Helfern möchte ich mich bei den tollen Zuschauern bedanken. Sie waren wie jedes Jahr eine große Unterstützung.

2 Kommentare

    1. Hallo Michael!

      Die letzten Jahre ist einiges an Bewegung beim Tough Guy. Früher gab es zwei Events, den Tough Guy im Winter und den Nettle Warrior im Sommer. Zwischenzeitlich sind es 4 – 5 Events im Jahr. Auch hat sich die Anzahl der Teilnehmer annähernd verdoppelt. Die Nummer mit den orangenen Leibchen ist mir auch neu. Wahrscheinlich sind das die ambitionierten Läufer, die vom Veranstalter eingeladen wurden. Für mich heißt das Motto ankommen und eine passable Zeit laufen. Und ein orangenes Leibchen heißt noch lange nicht, daß man das Rennen beendet. Auch in dieser Gruppe ist der ein oder andere ausgefallen :-). Alles in allem ist es schwer, das „Regelwerk“ zu durchschauen, da dieses doch oft modifiziert wird.
      Sportlichen Gruß zurück
      TC

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