2011

Braveheartbattle 2015. Ist er zu hart bist Du zu schwach?

Diese Frage konnte man sich stellen, wenn man den diesjährigen Braveheartbattle absolviert hatte. Bei der Streckenführung hatte das PAS-Team noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt. Mehr Steigungen und mehr Wasserhindernisse, die bei ca. 2 °C an der Substanz zehrten, forderte von den Teilnehmern die letzten Reserven.

Strecke Braveheartbattle 2015

So schieden sich nach dem Lauf auch die Geister, ob die Verschärfung der Strecke gerechtfertig gewesen ist. Insbesondere in den sozialen Netzen wurde dies ambivalent diskutiert. Fakt ist, dass von 2.541 Startern lediglich 1.696 Läufer innerhalb der Maximalzeit von 5 Stunden und 30 Minuten ins Ziel kamen. Das sind rund 66 Prozent der Starter. Das ist sicherlich eine extreme Quote, die auch mich nachdenklich stimmt. Obwohl man betonen muß, dass rund 2.348 Läufer das Ziel erreichten, was einem Totalausfall von „nur“ 7,6% der Teilnehmer darstellt.

Höhenprofil Strecke Braveheartbattle 2015

Es ist richtig, es war mit Abstand der härteste Braveheartbattle in Münnerstadt. Erst einen Tag später spürte ich die Nachwehen. Ich hatte das Gefühl, alle meiner 656 Muskeln zu spüren und lag beinahe regungslos auf der Couch. Und das obwohl ich doch regelmäßig trainiere. Hatte ich den Braveheartbattle etwa unterschätzt? Sicher nicht. Ein Sport, der immer popoulärer wird, der Emotionen hervorruft, der einen an die Leistungsgrenzen bringt zieht immer mehr Läufer an, auch die, die wenig Erfahrung mit Extrem-Hindernisläufen haben. Meines Erachtens liegt da der Hase im Pfeffer begraben. Jeder sollte sich über seinen Lauf informieren, über Streckenlänge, Geländeprofil, Witterungsbedingungen, Hindernisse etc. Die Vorbereitung sollte darauf abgestimmt sein, sowohl physisch als auch psychisch. Dann klappt es auch mit dem Lauf. Und wenn einem ein Hindernis zu gefährlich erscheint sollte man auch den Mut haben es auszulassen. Denn für die Meisten ist es ein Hobby. Ein Hobby mit der Herausforderung, den inneren Schweinehund zu überwinden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und so war`s
So, das war ein etwas ungewöhnlicher Beginn für einen Erfahrungsbericht, das musste ich aber los werden. Was gibt es sonst noch zum Braveheartbattle zu berichten? Wie fast jedes Jahr war das Wetter vergleichsweise angenehm. Bei 6-8 °C Außentemperatur und Sonnenschein war die Stimmung in der Braveheart-Arena wie immer super. Erstmals war ich mit einer Outdoor Kamera, die ich in einer Gürteltasche untergebracht hatte, Braveheartbattle 2015, Startam Start. Ziel war es, Aufnahmen aus Teilnehmerperspektive zu machen. Ich war gespannt, wie das so klappen würde. Nach dem Braveheartgebet wurden die Breavhearts mangels Absperrung noch einmal auf Spur bzw. die Tartanbahn des Stadions gebracht. Das war etwas unglücklich, da sich das Starterfeld dadurch in die Länge zog und ich mich plötzlich viel weiter hinten wiederfand. Egal.

Nachdem der Startschuß für die ersten Gruppen erfolgte waren auch wir an der Reihe. Nachdem wir das Stadion verlassen hatten kam es direkt zur ersten härtere Prüfung „Killing Drill“. Statt ein mal musste man nun 4 mal einen Steilhang hoch und runter laufen. Und es war wirklich steil. Das brachte die Pumpe erstmals in Bewegung. Vorteil war, dass sich das Teilnehmerfeld direkt nach dem Start etwas entzerrte. Es folgten die ersten Durchquerungen der frisch temperierten Lauer. Die Strecke führte am Flüsschen entlang Richtung Münnerstadt. Hier kam es dann auch zum ersten Stau beim Containerhindernis, der sich bei Snoopy`s Army auf der Männerstrecke fortsetzte. Zentraler Bestandteil dieser Station war eine rund 2 Meter hohe Holzwand. Allerdings war die Wand für die Mädels etwas niedriger, sodass nur die Jungs in den Genuß einer Verschnaufpause kamen. Nach ein paar Hilfestellungen mittels Räuberleiter konnte auch ich diese schlammige Wand überwinden und begab mich auf den Weg zum „Hangman“. Das Hindernis, ein Klassiker beim Braveheartbattle, stellt für mich immer wieder ein Rätsel dar. Denn mit matschigen Händen war der Gripp an den Eisenstangen gleich Null. Also bevorzugte ich wie viele andere die kalten Fluten der Lauer, während ein paar Kletterwillige auf dem Gerüst in luftiger Höhe das Gewässer querten.

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Schlammgruben, knackige Steigungen und „Loch Ness“
Kurz danach erreichte ich die „Sportics Fields“. Mehrere, aufeinander folgende 4-5 Meter tiefe Schlammgruben, die am Boden mit Wasser gefüllt waren. Durch die Vielzahl der Läufer, die das Hindernis bereits passiert hatten, waren die steilen Schlammwände glatt wie in Babypopo. Abwärts ging es demzufolge recht problemlos. Aus dem Schlammassel raus kam man nur mit vereinten Kräften. Von unten drücken, von oben ziehen war die Devise. Ohne Teamwork wäre ich zum Moorhuhn verkommen. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen helfenden Bravehearts. Nach diesem Hindernis spürte ich erstmals kalte Hände. Trotz Sonnenschein und moderaten Aussentemperaturen ein Zustand, den ich nicht erwartet hätte. Doch das folgende Streckenprofil gab mir Gelegenheit mich aufzuwärmen. „Hard Wood“, „Masterchief Hill“, „Mystic Mountain“ oder „Hamburger Hill“. Alles knackige Steigungen, die es in sich hatten. Und dieses Jahr schienen sie kein Ende nehmen zu wollen. Das ging wirklich an die Substanz. Nachdem ich diesen kräftezehrenden Streckenabschnitt hinter mir gelassen hatte lag „Loch Ness“ vor meinen Füßen. Das wohl berühmteste Regenauffangbecken Frankens, wenn nicht sogar Deutschlands. Mit „Frischwasser“ gut gefüllt ging es in die Fluten. Vor uns lagen 2 Reihen von Schlauchbooten quer, die untertaucht werden mussten. Anfangs wunderte ich mich etwas, da die Läufer vor mir über das Boot kletterten, statt unter ihnen hindurchzutauchen. Dieses Verhalten war wahrscheinlich dem kalten Wasser zu verdanken. Und ich kann dafür Verständnis zeigen. Die Tauchabschnitte waren im Vergleich zu anderen Events recht lang. Hinzu kamen die frostigen Wassertemperaturen.

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Bauer Edi, Masterchief und das Tal der Krämpfe
Das direkt anschließende Hindernis „Main-Post Trench“ bot mir erneut die Möglichkeit, mich kriechender Weise wieder etwas aufzuwärmen. Das klappte nur bedingt, weckte aber wieder die Lebensgeister. Nur nicht anhalten war die Devise. Immer in Bewegung bleiben. Etwas später passierte ich das Feuerhindernis, an dem man sich aufwärmen konnte. Das tat gut. Ein paar Minuten später verabreichten mir ein paar illustre Zuschauer, die sich an der Strecke häuslich eingerichtet hatten, einen grünen Likör oder Schnapps. Puhh, keine Ahnung was das genau war, aber es war Doping für die Geschmacksnerven. Auf ging`s zu Bauer Edi. Hier war ich dann etwas enttäuscht. Nicht von der Verpflegung, die war wie jedes Jahr super, sondern vom Hindernis. Früher galt es eine Strohwand zu überwinden, dieses mal war ein Labyrinth aus Strohballen aufgebaut. Und dies verursachte einen ziemlich ätzenden Stau, der mich wieder frösteln ließ. Die folgende Verpflegungseinheit bei Bauer Edi entschädigte etwas für das ungeschickte Hindernis. Nach einem kleinen Plausch mit einer der Damen, offensichtlich die Hausherrin, setzte ich mich wieder in Bewegung, gemäß dem Motto: „Warmlaufen“. Das schlimmste war nun auch überstanden. Kurz vor den „Sportics Fields“ lief ich noch dem entspannt dreinblickenden Masterchief in die Arme. Also nutze ich die Gelegenheit für einen kleinen Erfahrungsaustausch und ein Erinnerungsfoto BHB 2015. Soviel Zeit musste sein.

Die weiteren Stationen auf dem Rückweg wiederholten sich zwar, machten die Anstrengung aber nicht leichter. Wieder ging es einige Male ins kalte Wasser, was an den Kräften der Läufer zehrte. Das zeigte sich dann bei der Lauerquerung an der Station „Hangman“. Ein Läufer sprang direkt vor mir in die Lauer und bekam ein Krampf. Ich bot ihm meine Hilfe an. Während ich versuchte seinen Krampf aus der Wade zu drücken lag er mit dem Oberkörper in der Lauer, sein Bein aus dem Wasser gestreckt. Ein skurriles Bild. Nach einigen Minuten hatten wir es geschafft, der Braveheart war wieder auf den Beinen :-). Der Rückweg im Tal der Krämpfe war mit weiteren Wasserhindernissen gespickt, ehe kurz vor der Bravheart-Arena noch einmal die Station „Killing Drill“ geknackt werden musste. Ich mobilisierte die letzten Reserven und schätze mich glücklich, als ich ausgepowert die Ziellinie überschritt. Mein Dank geht auch an Alex, mit dem ich die letzten Kilometer gemeinsam bestritt.

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Mit 4:26:13 und Platz 499 hatte ich ein ganz gutes Ergebnis erzielt. Und das trotz erstmaliger Einsatz einer Kamera während des Rennens. Es war ungewohnt, hat aber ganz gut funktioniert. Und ein paar schöne, authentische Aufnahmen sind auch noch dabei raus gekommen. So, nun heißt es Abschied nehmen. Von Münnerstadt. Danke für die letzten 5 Jahre Anfeuerung, Verpflegung und Support. Vielleicht kommt der Braveheartbattle in ein paar Jahren zur alten Wirkungsstätte zurück.

Euer
TC

 

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