Hindernislauf England

Tough Guy eröffnet die „Spielplatzsaison 2016“

Hindernislauf England,Tough Guy 2016, StartaufstellungEingebettet in die sanften Hügel von Staffordshire liegt der wahrscheinlich größte Spielplatz der Welt. Für Erwachsene, jung Gebliebene und Verrückte ist das Areal rund um die South Perton Farm die Heimat des Tough Guy, ein Rennen, das kürzlich von einem Fachmagazin zum Kältesten weltweit gekürt wurde. In der Regel sorgt der Termin Ende Januar für knackige Temperaturen die um den Gefrierpunkt liegen. Doch dieses Jahr war es anders. Vorhergesagt waren 5 °C, Regen und Wind. Verhältnisse, die der Jahreszeit entsprechend raue Bedingungen vermuten ließen. Tatsächlich aber kam zu Beginn des 30sten Tough Guys Jubiläumswetter zum Vorschein. Teilweise schien die Sonne, die Temperaturen stiegen bis auf 12 °C. Die mildesten Temperaturen die ich bei einem Tough Guy je erlebte. Einige englische Läufer berichteten, dass beim Nettle Warrior im Juli 2015 Temperaturen nahe 0 °C Grad herrschten. Einem Bericht der Birmingham Mail zur Folge wurde der Lauf wegen zu vielen Kälteopfern sogar abgebrochen. Verkehrte Welt oder die Folge des Klimawandels? Oder die Kapriolen der englischen Wetterküche. Wir werden es wohl nie erfahren.

Familientreffen beim Tough Guy

Dieses Mal begleitet mich Rookie Mark zum Tough Guy. Im Vorfeld machten wir uns im Hinblick auf die zu erwarteten klimatischen Bedingungen einige Gedanken zur Ausrüstung. So entschied er sich in einem Neo (Neoprenanzug anm. d. Red. :-)) zu laufen. Ich hatte das bei früheren Probeläufen bereits getestet. Für mich war das nichts. Ich hatte dabei stets das Gefühl heiß zu laufen. Als wir morgens nach dem Frühstück das Wetter inspizierten war es frisch und es nieselte. Genau so, wie man sich das typisch englische Wetter vorstellt. Nachdem wir gestiefelt und gespornt waren fuhren wir gegen 10 Uhr zur Jenny Walker Lane, der Heimat des Tough Guy. Das Verkehrsaufkommen hielt sich in Grenzen, lediglich kurz vor den Parkplätzen begann es sich zu stauen. Die Einweisung war wie immer perfekt organisiert, sodass wir unsere Taschen rechtzeitig in den Umkleidebarracken deponieren konnten. Da ich in einer früheren Startgruppe wie Mark war trennten sich hier unsere Wege. Nun war jeder auf sich alleine gestellt. Im roten Startblock traf ich auch schon Sebastian, meinen „hawaiianischen Weggefährten“ vom Team Chicken Hawaii, erstmals mit Neomütze und Handschuhe bewaffnet. Weichei :-). Ebenfalls im Startblock anwesend

mein Lieblingsmarshall, der mich letztes Jahr während meines Tough Guy Marathon bis zumm bitteren Ende begleitete. Die Begrüßung war herzlich. Er wünschte mir viel Glück was ich dankend annahm. Die Stimmung auf dem Starthügel war ausgelassen. Als der Startschuss ertönte war es dann soweit. Der 30ste Tough Guy öffnete seine Pforten. Die bunte Meute, unter denen sich ambitionierte und Spaßläufer befanden, stürmten den steilen Hügel hinunter. Die Startphase ist immer etwas heikel, denn man muss höllisch aufpassen, wohin man sein Treter setzt, den das Terrain ist alles andere als eben. Der Qualm der Rauchkerzen vernebelte den Massen die Sicht. Wie eine wilde Rinderherde lief sie durch die Killinger Fields. Nichts konnte sie jetzt mehr stoppen.

Verdammt, wo war das Wasser?

Die Streckenführung war im Vergleich zum letzten Jahr etwas abgeändert worden. Gemeinsam mit Sebastian bewältigten ich die ersten Kilometer ehe wir uns aus den Augen verloren. Was mich jedoch verwunderte. Wo war das Wasser bei den Hindernissen hin? Wo Jahre zuvor immer genügend Nass vorhanden war herrschte für Tough Guy Verhältnisse eine wahre Dürre. Bereits beim ersten Hindernis, vorbei am „Gallipoli Bog“wo einem das Wasser sonst bis zur Hüfte stand, reichte es mir dieses Mal nur bis zu den Knöcheln. Dennoch war der Untergrund vom Wasser aufgeweicht und schlammig. Nach der Umrundung des „Bear Wood“ ging es zurück Richtung Killing Fields. Ein beeindruckendes Bild. Ein Lindwurm, bestehend aus bunt gekleidetenden Tough Guy and Girls schlängelte sich durch die Landschaft. Ja, das war er, der Abenteurspielplatz für Erwachsene, der jedes Jahr um die gleiche Zeit heimgesucht wird :-). Nach „Rabbit Hill“, „Elephant Graveyard“ und „Bracken Maze Torture“ ging es auf  „The Wild Slalom“ zu. Die „Bergwertung“ beim Tough Guy. Hat man diese hinter sich gelassen, ist der schwierigste

Laufabschnitt Geschichte, wobei die Anzahl der Hindernisse nun stetig zunahm und ihren Höhepunkt auf den Killing Fields erreichte. Der anschließende Bear Wood ist gespickt von Netzen und  Kletterhürden. In der Regel ist auch in diesem Abschnitt mit kaltem Wasser gesegnet, doch dieses Mal schien auch dieser Teil fast trockengelegt zu sein. Die folgenden Hindernisse „Gurkha Grand National“ und „New Jungle Obstacles“ Hindernisse konnten wieder etwas mehr Wasser aufweisen, aber lange nicht soviel wie die Jahre zuvor. Trotz des geringen Wasserstande hatte dies zur Folge, dass meine Füße langsam auskühlten. Insgesamt war die Situation aber wesentlich erträglicher als in den Vorjahren.

Killing Fields. Der Wassernotstand ging weiter.

Schließlich bog ich auf die Killing Fields ein, die mit „The Tiger“ ihren Anfang nahmen. Hier traf ich auch eine Marshall vom Tough Guy Marathon wieder. Die Begrüßung war herzlich. Ich nahm mir die Zeit ihr meine Kamera in die Hand zu drücken und bat sie, ein Foto zu schießen. Was mich wunderte: Sie hielt die Kamera verkehrt herum, sodass mir das Diyplay entgegenlachte. Offensichtlich funktioniert in England alles ein wenig anders. Ein

dezenter Hinweis meinerseits klärte die Situation und bescherte mir einen schönen Schnappschuss vor „The Tiger“. Es folgte „Snorkel Beach“. Auch hier herrschten fast wüstenähnliche Verhältnisse. Wo war das Wasser hin? Es reichte mir lediglich bis zu den Knien. So reichte es gerade einmal für ne Kneippkur.  Weiter ging´s. Über „Colditz Walls“, „Behemoth“, wo man sich an Seilen in luftiger Höhe vorwärtshangeln musste, „Battle of the Somme“ und „Tyre Crawl“ Richtung „Vietcong Tunnels“. In den „Underground Interrogation Pits“ konnte ich die Stromdrähte geschickt meiden. Bei den folgenden „Vietcong Tunnels“ hatte ich dann leider die falsche Röhre zum Durchkriechen gewählt. Denn ein Leidensgenosse vor mir kam nicht so richtig voran. Er steckte zur Hälfte in der Röhre fest, sein Vorwärtskommen schien beendet. Ich sah lediglich noch seine Füße. Und das war´s dann auch. Er bewegte sich nicht. Schließlich bat er mich, gegen seine Füße zu drücken. Natürlich tat ich ihm den gefallen und drückte gegen seine Laufapparate, sodass er halt bekam. Langsam kroch er die leicht ansteigende Röhre hinauf, sodaß auch ich mich

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in das schwarze Loch begeben konnte. Über den „Skywalk Paradise Climb“ ging es Richtung „Water Tunnels“. Eines der gefürchtesten Hindernisse. Warum? Weil einem bei kalten, winterlichen Temperaturen und entsprechenden Wassertemperaturen nach dem Auftauchen der Kopf zu platzen scheint. Beim ersten Blick macht das Hindernis einen harmlosen Eindruck. Erfährt man seine Wassertaufe nach dem ersten Untertauchen ändert sich das Bild schlagartig. Der Respekt wächst und unter den restlichen Balken hindurchzutauchen kostet einiges an Willensstärke und Überwindung. Die milden Temperaturen machten es dieses Jahr etwas erträglicher. Trotztzdem war das Gefühl nach dem Hindernis nicht gerade angenehm. Im Kopf hämmerte es, was erst mal verarbeitet werden musste. Also schrie ich den Schmerz raus und versuchte mich schnell wieder warm zu laufen. Beim Hochklettern auf die „Brandenberg Wall“ überkam mich eine fast wohlige Wärme, die aber beim anschließenden Sprung von der „Death Plunge“ ins kalte Wasser aprupt verflog. Aber auch hier hieß es. Immer in Bewegung bleiben. Wer

steht friert und verliert. Die Maschine muß laufen. Rüber zum Dragon Pool, wo es darum ging, die Balance zu halten. Eine rund 50 Meter lange Strecke galt es auf Seilen entlang zu balancieren. Je mehr Personen das Seil bevölkerten, desto schwieriger wurde es das Gleichgewicht zu halten. Und das Wasserloch unter den Füßen wartete natürlich schon sehnsüchtig auf seine Opfer. Doch ich kam gut mit dem schwingenden Seil zu Recht, sodaß mir ein erneutes Bad erspart blieb. Beim „Gladiatough Colloseum“ stand noch einmal klettern und balancieren auf dem Programm. Und auch hier: Wer hatte das Wasser abgelassen? Es herrschte Ebbe. „Stalag Escape“ war das letzte längere Kriechhindernis, dem ich mich anschließend stellen musste. Stacheldraht oben, fiese, kleine Kieselsteine Hindernislauf England,Tough Guy 2016, Hindernis Viagraunten. Da wurde das Kriechen zur Tortur. Leider wählte ich auch hier eine Spur, wo es nicht so richtig voran ging. Das häufige Warten ließ mich dann auch etwas zittern. Als ich das Ende erreichte, war ich heil froh, denn die Kiesel hatten ihre Spuren hinterlassen. Der Rest war Auslaufen. „Tyre Torture“, „Anaconda“ oder „Sting“ waren Hindernisse, die einfach zu meistern waren. Nach 3 Stunden und 25 Minuten war es dann geschafft. Der Zielhügel war bezwungen.

Fazit: 30 Jahre Tough Guy. Mein Hochachtung, Mr. Mouse. Hier wurde etwas Einzigartiges mit Kultstatus geschaffen. Das schafft man nur mit Willem, Passion und genügend Zeit. Leider fiel das Jubiläum ins Wasser. Oder auch nicht. Wasser, „karibische“ Temperaturen. 2016 ist der Tough Guy als kältester Lauf der Welt leider nicht gerecht worden. Das macht aber nichts. Denn so habe ich einen Grund wieder zu kommen. Trotz dieser „widrigen Umstände“ herrschte beim Tough Guy eine einzigartige Atmosphäre getreu nach dem Motto „Tough Guy a family of man“. So werde ich wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder an der Jenny Walker Lane vorbeischauen. Warum? Keine Ahnung. Wir sehen uns.

Euer

TC

PS: Sorry Mark für die kuscheligen Temperaturen. Nächstes Jahr wird es bestimmt besser.


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