Hindernislauf Belgien

24h Xtreme Team Running Hindernislauf in Belgien

Autor Sebastian Hindernislauf Belgien, 24H XTREME Team Running 2016
von Sebastian

Während sich am 5.3. die wohl meisten deutschen Hindernisläufer beim Strong Viking im Matsch suhlten, machte sich das Team „Chicken Hawaii“ in geänderter Zusammenstellung auf zum „Fort de Barchon“ in Blegny in der Nähe von Lüttich. Die Festung aus dem 1. Weltkrieg bildete eine beeindruckende Kulisse für die Premiere des „The 24h Xtreme Team Running“ Hindernislauf. Unser „neues“ Team bestand aus den schnellen Läufern Alexander und Tobias, dem leider durch eine Grippe angeschlagenem Andreas (oder simulierte er nur damit er nicht so viel laufen musste? 🙂 (Anm. der Red: Wie man an dem grollenden Husten hören konnte :-)) und meiner untrainierten Wenigkeit. Neben der 24h Herausforderung war die Teamzusammenstellung eine knifflige Angelegenheit, da wir alle unterscheidliche konditionelle Voraussetzungen aufwiesen, fast immer als Einzelläufer starten und noch nie zusammen gelaufen waren. Aber als Hindernisläufer liebt man ja die Herausforderung.

Hindernislauf Belgien, 24H XTREME Team Running 2016, BriefingDer Lauf bot die Option, im 2er, 4er oder 6er Team zu starten, wobei zwei Teammitglieder gleichzeitig Seite an Seite auf der Strecke unterwegs sein mussten. Natürlich konnten die Teams auch pausieren, was einige während der eiskalten Nachtstunden auch gerne in Anspruch nahmen. Tagsüber lagen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt und der Himmel schien die ganzen 24 Stunden zu weinen, sodaß das Gelände extrem weich war. Auch Sonnenstrahlen wurden uns während des Rennens verwehrt, der Wettergott „belohnte“ uns lediglich mit Regen, Nebel und leichtem Schneefall. Nachts fielen die Temperaturen unter 0°C, die Fußspuren des Tages verwandelten sich dadurch in fiese „Umknickfallen“. Auf dem unebenen Terrain war deshalb Vorsicht geboten.

Die morgendliche Anfahrt aus dem Rheinland verlief reibungslos. Am Zielort angekommen öffnete der Himmel bereits seine Schleusen. Dank eines nahen Parkplatzes war die Entfernung zum „Campingplatz“ nicht weit, der Aufbau des Pavillions war schnell gemacht. Um 10:30 ging es zum Briefing, welches komplett in französisch stattfand, was Verständnidschwierigkeiten mit sich brachte. Durch die guten Vorabinformationen via E-Mail waren wir jedoch ausreichend über die Modalitäten informiert.

Eine wichtige Stütze unseres Team war die Propangasflasche mit Heizaufsatz. Sie lieferte zwar nicht so viel Wärme wie gewünscht, ohne sie wären die klimatischen Bedingungen um einiges schlechter zu ertragen gewesen. Während der Laufpausen mussten wir uns daher dick einpacken. Unser Atem war nach wie vor deutlich sichtbar. Unseren Nachbarn schien es während des Hindernislaufs dann doch zu kalt gewesen zu sein, sodass sie bereits wenige Stunden die Zelte wieder abbrachen. Vielleicht war es aber auch gut, dass es im Pavillion nicht zu kuschelig war, da sonst die Läuferwechsel wahrscheinlich noch länger gedauert hätten. Die Wechselzeit lag bei rund 15 Minuten. Raus aus den Wohlfühlklamotten, rein in das „neue“ Laufoutfit. Das machte zwar wenig Sinn, da man nach kurzer Zeit ohnehin duchnässt war, dennoch tat es der Psyche gut.

Hindernislauf Belgien, 24H XTREME Team Running 2016, Start

Pünktlich um 11:00Uhr fiel dann der Startschuss.

Strecke und Hindernisse beim 24h Stundenlauf

Bei der Strecke handelte es sich um einen Rundkurs von 4,8 Kilometern. Zu Beginn musste ein 18m langes, schlammiges Kriechhindernis bewältigt werden. Direkt danach folgte ein Balanceakt über ein hochkant gestelltes Brett, welches über ein brusttiefes, kaltes Wasserbecken führte.

Danach schlossen sich drei tiefe Matschgruben, eine davon mit Wasser gefüllt, an. Aufgrund einer Verletzung wurden die Matschgruben zu einem späteren Zeitpunkt mit Hilfe eines Seils „entschärft“, sodass der Abstieg sicherer wurde. Eine Monkeybar, die später wegen zu viel Matsch kaum noch zu bewältigen war, folgte. Bei einbrechender Dunkelheit wurde dieses Hindernis sowie die Monkeybar zweitweise aus der Wertung genommen und konnten passiert werden. Schade, aber eine Entscheidung seitens der Veranstalter, die der Sicherheit der Läufer diente.

Ein Hindernis, bei dem schwere Gewichte in rund 5m Höhe gezogen werden mussten, stellte unsere Kraft auf die Probe. Hier war die Inanspruchnahme des Penaltys, 10 Liegestütze, aus zeitlicher Sicht teilweise sinnvoller, da die Bewätigung des Hindernis mehr Zeit in Anspruch nahm. So wurden Andreas und ich das ein oder andere Mal von „Cheatern“ überholt.

Anschließend folgte eine ca. 3m hohe Wand, ehe es wieder an den Zelten vorbei ging. Einer schrägen Wand folgte ein Geschicklichkeitshindernis. Hier musste ein kleines Ringseil so geworfen werden, dass es über einen in die Erde gerammten Stock in ca. 3-4 Metern Entfernung hängen blieb. Vor allem nachts war es eine besondere Herausforderung, denn die Minusgrade ließen die flexiblen Seile knüppelhart werden. Das Hindernis bot eine willkommene Abwechslung und war wie allen anderen nachts beleuchtet.

Von dieser Station aus ging es erst mal bergab. Ein kleiner Tümpel vor dem ehemaligen Beobachtungsturm der Festunsanlage musste durchwatet werden. Dann ging es in die Katakomben der Festungsanlage. Anfangs war der Gang durch den vielen Regen bis zu den Oberschenkeln mit Wasser gefüllt. In gebückter Haltung wurden gute 100 Meter im Wasser, anschließend weitere 150 – 200 zurückgelegt. Diese Anstrengung ging ordentlich aufs Kreuz, sodass ich zwischendurch immer kleinere Pausen einglegen musste. Nach einer 15 Meter langen Leiter ging es weiter durch den „Kaninchenbau“ von „Fort de Barchon“. An den Stellen wo man normal hätte rennen können, hatten die Organisatoren Reifen von der Decke gehängt und zusätzlich mit Nebelmaschinen (die in der Nacht abgeschaltet waren) die Sicht erschwert. Trotz Stirnlampe war das Vorankommen auf diesem Teilstück extrem schwer, man konnte sich nur langsam vortasten.

Zum Glück gab es während des Laufens eine Helm und Lampenpflicht, sonst wären die Ausfälle wohl ins unendliche gegangen, da die Decke immer unterschiedliche Höhen aufwies und die Gänge nur stellenweise mit einem Minimum an gedimmten Licht „beleuchtet“ waren. Nach dem Tunnelsystem ging es wieder ins Freie, über eine Kletterpyramide vorbei am Verpflegungsstand (Wasser, Waffeln und Rosinen) einen kleinen Hang hinauf. Hier war ein rund 25 Meter langes Netz von der einen  zur anderen Festungsmauer gespannt. Danach schloß sich eine weitere Laufeinheit an.

Was dann folgte war etwas abenteuerlich. Durch eine 80-90 Zentimeter breite Röhre mußte man vom Dach der Festungsanlage in die tiefergelegenen Katakomben der Festung rutschen. Ein korpulenterer Teilnehmer hätte hier seine Schwierigkeiten gehabt. Man rutsche durch ein dunkles Loch ehe man am Ende auf einer weichen Matte landete. Weiter ging´s durch die Festungsgänge, die unterschiedliche Deckenhöhen hatten. Das musste Alex am eigenen Leib erfahren. Bei einem abschüßigen Gang knallte er bei voller Geschwindigkeit mit dem Helm gegen den Deckenvorsprung und fiel zu Boden. Diesen kleinen „Unfall“ konnte man sicherlich der Müdigkeit und der daraus resuktierenden Unkonzentriertheit zuschreiben. Nach kurzer Benommenheit und ohne Schäden ging es für ihn und Tobi nochmals durch Brusttiefes kaltes Wasser. Nach dieser letzten „Wassereinheit“ waren die Katakomben so gut wie geschafft. Draußen war dann noch eine Strohpyramide zu meistern ehe die Laufrunde bei matschigem Untergrund zu Ende ging.

Die äußeren Bedingungen sowie konditionelle Probleme führten dazu, dass wir nicht die kompletten 24h durchliefen. Aus gesundheitlichenn Gründen musste Andreas nachts gegen 3Uhr auf ein weiterlaufen verzichten (trotzdem großen Respekt das er uns so gut es ging läuferisch unterstützte – schließlich stand bis kurz vor dem Lauf sein Einsatz in den Sternen). Am Sonntag früh war dann auch die Luft bei Tobi und mir raus. Alex hingegen hatte noch Reserven gehabt, aber aufgrund des Regelwerkes war es im leider nicht gestattet, alleine zu laufen. Und wir wollten ja nicht disqualifiziert werden 🙂

Hindernislauf Belgien, 24H XTREME Team Running 2016, Team Chicken Hawaii

Da wir auch nachts den eisigen Temperaturen trotzten, landete unser Team mit 24 Runden bei der Gesamtwertung auf dem 12ten von 50 Plätzen. Bei der 4er Teamwertung konnten wir uns einen 4. Platz erkämpfen. Wir hatten lediglich eine Runde Rückstand auf den Drittplatzierten. Wie anspruchsvoll das Rennen war, ließ sich daran erkennen, daß es von 64 Teams nur 50 in der offiziellen Wertung schaffteb, wobei die letztens Teams mit nur 5-6 Runden weit abgeschlagen waren.

Fazit:
Eine wirklich gelungene Premiere! Die Vorabinformationen waren gut gewesen. Auf offene Fragen wurde vom Veranstalter schnell geantwortet. Eine Verpflegungsstation auf der Strecke war mit Wasser und Waffeln völlig ausreichend. Weitere Verpflegung mussten sich die Läufer selbst mitbringen. Die Hindernisse waren gut und abwechslungsreich gewesen, das Terrain ausßergewöhnlich. Die sanitären Einrichtungen war ok, wobei die Wasserversorgung bei den fest installierten Toiletten mit der Zeit Probleme aufwies. Die beiden Dixies und ein Urinal waren erstaunlicherweise auch noch gegen Ende des Laufes benutzbar. Eine kleiner, beheizter Raum in der Festung diente den Teilnehmern zum Aufwärmen.

Hindernislauf Belgien, 24H XTREME Team Running 2016, Streckenverlauf
Streckenverlauf Hindernislauf 24h Xtreme Team Running

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