Hindernislauf Niederlande

Strong Viking Obstacle Run brother Edition oder Freiflug nach Walhalla

So, nun der Erfahrungsbericht vom Strong Viking Obstacle Run „brother Edition“ Ende Oktober in Amsterdam. Halt leider etwas länger gedauert. Aber lieber spät als nie. Dort erwartete mich ein ganz spezielles Highlight. „Fjors Drop“, die bis dato steilste Rutsche der ich mich stellen musste. Ein rund 10 Meter hoher Koloss, an dem eine beinahe senkrechte Rutsche in die Tiefe führte. Steht man oben, denkt man unweigerlich an Walhalla, den Ort, an den nach germanischem Glauben alle gefallenen Helden Einlass fanden. Wo mutige Männer ihre letzte Ruhestätte erhofften.

Strong Viking Obstacle Run brother edition 2015, Hindernis Fjord Drop 1

Sonntag´s um 11 Uhr ging´s los. Mein zweiter Strong Viking.

Bevor ich mich dieser extremen Herausforderung stellte, waren noch weitere Hürden zu meistern. Die Anreise gehörte nicht dazu. Sie verlief erstaunlich staufrei. Selbst auf dem Parkplatz des Wettkampfgeländes war nur mäßige Betriebsamkeit. Nachdem ich die finale Entscheidung für mein Outfit getroffen hatte lief mir mein „alter“ Weggefährte Alex über den Weg. Was für ein Zufall. Er erzählte mir, dass er einen Familienausflug machen würde. Das Hindernislauffieber schien wohl die ganze Familie heimgesucht zu haben :-). Nach der Anmeldung ging´s zu den Walhalla Steps, dem ersten Hindernis der brother edition. Ich war überrascht wie überschaubar das Starterfeld war. Gut, es war Sonntag früh, 11 uhr. Da liegt der ein oder andere noch in den Federn. Ich Strong Viking Obstacle Run brother edition 2015, Startbereichhatte sie stattdessen auf dem Kopf, bereit die 19 Kilometer in Angriff zu nehmen. Rund 100 Vikinger gingen mit mir in der ersten Welle an den Start. Und ich war auch nicht böse darüber, denn ein Durchkommen ohne große Wartezeiten an den Hindernissen war damit garantiert. Nach einer kurzen Aufwärmphase ging es dann los. Die ersten Sonntagskrieger bewältigten gemeinsam die „Walhalla Steps“, eine rund 2 Meter hohe Wand.

Warmlaufen für Fjord Drop

Anschließend ging es auf die Strecke im Spaarnwoude Park, einem hügeligen Freizeitgelände mit Skihalle. Die erste Übung waren die „Dragon Ropes“, frei hängende Seile, die es zu erklimmen galt. Dank ausgiebigen Übens stellte das für mich kein Problem dar. Weiter ging´s auf Odins Spuren, vorbei an „Carry a Viking“ und „Tunnel Hurdels“ zum Hindernis „Raise a Sail“. An dieser Station musste ein Gewicht, welches an einer Seilwinde befestigt war, in die Höhe gebracht werden. Die folgenden „Mud Trenches“ ließen die Angelegenheit dann das erste Mal richtig schmutzig werden. In regelmäßigen Abständen folgte einem Schlammhügel ein Schlammloch. Lecker. Einige hundert Meter weiter kam mit „Throw the Axe“ die erste Wikingerübung. Hier galt es mit einer Holzaxt ein Schild, das in rund 10 Meter Entfernung war, zu treffen. Leider verfehlte ich das Ziel, was 10 Burpees für mich zur Folge hatte. Bei „Hammer Banger“ wurde mit einem Holzhammer ein Baumstamm, der in einem Gerüst hing, von der einen zur anderen Seite geschlagen. Das war recht einfach, wobei „Crawl Up“, eine Kriechstrecke, die bergauf verlief, nicht so bequem war. Der gespannte Stacheldraht sorgte dafür, dass der Pöter immer schön am Boden blieb. Nach weiteren Prüfungen galt es bei „Storm the Castle“ die

große Halfpipe zu bezwingen. Meine nassen Hände verhinderten, dass die Helfer auf der Plattform mich richtig zu fassen bekamen. So war ein weiterer Versuch, der dann den entsprechenden Erfolg brachte, notwendig. Vorbei an den „Walls“ folgte kurz darauf eine noch anspruchsvollere Hürde, die „Monkey Bars“. Die Sprossen waren nicht horizontal angelegt, sondern bildeten in der Mitte einen spitz zulaufende Giebel mit erweitertem Sprossenabstand. Bis zu dieser Schlüsselstelle war es kein Problem, eine Sprosse aufwärts ging auch noch, aber dann hing ich im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft. Nach einigen Schwüngen und vergeblichen Versuchen testete ich, ob das Wasser auch tief genug war. Ein zweiter Versuch schweiterte an den nassen Greifwerkzeugen. Als ob das nicht schon genug gewesen wäre wartete direkt danach die „Artic Area“. Gut durchnässt lief ich in die frostige Skihalle, wo ich mich nach ein paar Aufwärmübungen sehnte. Pustekuchen. Statt dessen hingen 5 Seile hintereinander angeordnet von oben herab.

Diese sollten im „Tarzanstil“ bewältigt werden. Problem: Sie waren durch die Kälte hart wie Stahl geworden. Die Flexibilität, die man von einem Seil erwartete, war nicht mehr vorhanden. Das waren lange Eisstangen mit Abrutschgefahr. Ein kurzer, kläglicher Versuch. Dann war´s das für mich.

Zur Halbzeit gab´s `nen Freiflug nach Walhalla

Nach der Kühlkammer war Warmlaufen angesagt. Warmlaufen für den nächsten Schocker. Ein Schocker, der meinen Puls schneller schlagen ließ. Mit „Fjord Drop“ hat das Orga-Team des Strong Viking für all diejenigen, die keine Höhe mögen, eine wahre Überwindungsmaschine gebaut. Der Weg zu diesem Höhenschafott gestaltet sich recht problemlos. Von weitem sah es noch recht klein aus, aber je näher ich dem Koloss kam, desto riesiger erschien er mir. Ich fühlte mich ein wenig wie David der gegen Goliath antrat. Und je näher ich diesem Goliath kam, desto langsamer schien ich zu laufen. Doch es half nichts.

Da musste ich jetzt durch. Gott sei Dank waren wenig Läufer vor mir, sodass keine Zeit zum Nachdenken blieb. Schnell ging´s die Treppen hoch. Oben angekommen gab´s von den Einweisern eine herzliche Begrüßung auf niederländisch. Klar, die hatten ihren Spaß. Da war ich mir sicher. Zügig setze ich mich an den Rand der Rutsche. Auf dem ersten Blick war da aber lediglich eine senkrechte, schwarze Wand an deren Ende ein Bogen ins Nichts führte. Da sollte ich runter? Die Sicherheitseinweisung meines Patrons gab mir wieder ein wenig Mut. Er fragte mich noch, ob er mir helfen solle. Ich bejahte. Und schon war ich nicht mehr aufzuhalten. Ein Schubs. Ein Rutsch. Ein Schrei. Ein Flug. Ein Platsch. Die Pumpe war auf 180. Adrenalin pur. Wahnsinn. Heil angekommen war ich auch ein wenig Stolz. Die bis dato steilste Rutschpartie war vollbracht. Walhalla kann noch warten :-).

„Flying Ragnar“. Der kleine Bruder von „Fjord Drop“

Nach dem Adrenalincocktail hielt ich einen kleinen Plausch mit einem Aufpasser am „Beckenrand“. Er meinte, man bekäme schon seine 60 km/h auf der Rutsche drauf.  Hm, was sollte ich dazu sagen. Ich musste weiter. Über ein paar verschlammte Holzwände, die nur gemeinsam zu überwinden waren. Glücklicherweise befanden sich hilfsbereite Strong Viking Obstacle Run brother edition 2015, Hindernis Platinum RigMitstreiter an meiner Seite. So konnten wir Wand für Wand hinter uns lassen. Bevor es die „Stone Wall“ hoch und runter ging stand beim „Platinum Rig“ die Hangeltechnik im Fokus. Und nach den „Walls“ folgte das zweite Highlight: „Flying Ragnar“. Sozusagen der kleine Bruder von „Fjord Drop“, wenn es um Überwindungsängste ging. Die Vikinger standen dabei auf einer Plattform, unter sich ein Wasserbassin, in Sprungweite eine Wippe, die es mit den Händen zu greifen galt. Die Überwindung lag darin, während der Flugphase die Wippe zu greifen. War dies geschafft, schwang man nach vorne um eine Glocke, die in der Höhe des Scheitelpunktes der Wippe angebracht war, zu läuten. Viele suchten die Wippe, die die geringste Entfernung zur Plattform aufwies. Ein wenig beobachtete ich das Schauspiel, dann konzentrierte ich mich auf „meine“ Wippe, ging wie ein Hühnchen vor dem Todessprung in die Knie, zögerte etwas und sprang. Im Flug griff ich zu und Schwang nach vorne. „Hinten“ angekommen läutete ich die die Glocke zu läuten und machte mich für die Wasserung bereit. Das war krass, machte aber Spaß.

7 Kilometer bis zum Finisher-Foto

Frisch durchnässt führte die Strecke direkt am Start/Zielbereich vorbei, wo weitere Läufergruppen sich auf ihren Start vorbereiteten. Das letzte Drittel mit einigen Hindernissen für die Oberkörpermuskulatur gespickt. „Weaver“, „Strong Wall“, „Rope Climb XL“ oder „Gunnors Struggle“ verlangten einem alles ab. Insbesondere letzteres

Hindernis trieb viele Läufer zur Verzweiflung. An einem Stock hängend, der quer zu zwei Baumstämmen lag, mussten rund 5 Meter überwunden werden. Bei meinem ersten Strong Viking im Frühjahr hatte ich mir dabei eine Platzwunde zugezogen. Nichtsdestotrotz versuchte ich es erneut. Und diesmal klappte es besser, allerdings verließen mich zur Hälfte die Kräfte. Nach zwei weiteren Versuchen zog ich es vor, meine Leidensgenossen, von Strong Viking Obstacle Run brother edition 2015, Finisher Fotodenen einige extrem hartnäckig waren, zu beobachten. Einige versuchten es immer wieder. Meist erfolglos. Letztendlich kam es auf die Technik an. Die habe ich noch nicht gefunden, werde sie mir aber sicherlich bei einem zukünftigen Strong Viking noch aneignen. Kurz vor dem Ziel wurde zeitweise ein Sandsack mein neuer Begleiter. Ein paar mal ging es den Hügel an der Skihalle hoch und wieder runter. Das ließ die Oberschenkel noch einmal brennen. Nach annähernd  3 1/2 Stunden durfte ich mich dann über ein Finisher-Foto mit „meiner“ Vikinger-Braut freuen.

Strong Viking Obstacle Run brother edition Amsterdam 2015, Streckenverlauf
Streckenverlauf Strong Viking Obstacle Run „brother edition“, Amsterdam
Strong Viking Obstacle Run brother edition Amsterdam 2015, Höhenprofil
Höhenprofil Strong Viking Obstacle Run „brother Edition“, Amsterdam

Fazit: Die „Strong Viking brother edition“ setzt Maßstäbe in punkto Hindernisse und Athletik. Meines Erachtens wurde Strong Viking zu Recht zur besten Hindernislaufserie in den Niederlanden gewählt. Die Orga passt, Stimmung ist klasse und die Hindernisse verlangen einem sehr viel ab. Für mich sind derzeit „Fjord Drop“ und „Flying Ragnar“ beim Strong Viking die Highlights. Für die 19 Kilometer Strecke sollte man ausreichend trainiert haben, sonst könnte es zur Quälerei werden.

Wer jetzt Lust bekommen hat kann sich für 2016 direkt hier anmelden.

Euer
TC

 

 

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