Hindernislauf Nordrhein-Westfalen

Mud Masters Night Shift in Weeze. Der Spuk begann pünktlich zur Geisterstunde.

Wenn die Uhr um Mitternacht 12 schlägt, denken wohl die Wenigsten ans Laufen, geschweige denn daran, einen Hindernislauf zu absolvieren. Doch die Macher vom Mud Masters schon. Und auch rund 138 OCR-Läufer. Sie stellten sich der Herausforderung, dem Schrecken von 9 Stunden Quälerei die Stirn zu bieten.

Vorbereitung auf die Geisterstunde

Da ich bereits einige 24-Stunden-Hindernisläufe absolviert hatte, wußte ich, was auf mich zu kam. Rund eine Woche vorher begann ich mich auf die Stunde Null vorzubereiten. Ich erstellte Listen mit den notwendigen Utensilien, packte meine Klamotten zusammen und befüllte diverse Taschen. Regelmäßig checkte ich die Wettervorhersage für Weeze, denn nichts ist unangenehmer, als mit der falschen Ausrüstung eine solche Challenge zu bestreiten. Der Wettergott hatte es gut mit uns gemeint. Pünktlich zum Wochenende war  Sonne und eine trockene, milde Nacht angesagt.

Mud Masters Obstacle Run Night Shift, Hindernislauf Deutschland, ZeltAm Samstag, den 7.5. ging es schon vormittags Richtung Weeze, denn Alexander aus der TTFC-Truppe stellte sich seinem zweiten OCR-Lauf, der 12 km Strecke. Das Gelände rund um den Flughafen Weeze eignet sich hervorragend, um einen Hindernisparcours auf die Beine zu stellen. Weitläufige Parkmöglichkeiten, zahlreiche, ausgediente Bunker und Flugzeughangars, Unmengen Sand und Kiesgruben sowie gaaannnzzz viel Platz. Vor Ort angekommen sammelten wir unsere Unterlagen ein. Anschließend baute ich auf dem Campingplatz nahe eines ausgedienten Hangars mein Wurfzelt auf. Innerhalb kürzester Zeit stand meine Behausung für die anstehende Nacht. Nach getanem Werk bewegten wir uns Richtung Startbereich, denn der Lauf von Alexander, über den er gesondert berichten wird, stand kurz bevor. Nach seinem erfolgreichen Start fuhr ich wieder nach Hause, um mich auf den Nachtlauf vorzubereiten. Diese Vorbereitung bestand vorzugsweise in dem Versuch, etwas Schlaf zu mir zu nehmen. Erstaunlicherweise gelang das auch ein paar Stunden, ehe ich um 18.00 Uhr aus meinem Schlaf-Light aufwachte. Vollständig in der Realität angekommen tankte ich meinen Kohlehydrahtspeicher auf, ehe es gegen 21.00 Uhr wieder Richtung Weeze ging.

Mud Masters Obstacle Run Night Shift, Hindernislauf Deutschland, Parcours

Durch einen unfallbedingten Umweg trudelte ich erst erst gegen 22.20 auf dem Gelände ein. Gerade noch rechtzeitig, um dem Briefing für den Night Shift beizuwohnen. Neben den 9 Stunden-Läufern gab es auch Mitstreiter, die 12 und 18 Kilometer absolvierten. So waren es dann rund 400 Läufer, vorwiegend aus Deutschland und Holland, die sich diesem nächtlichen Abenteuer stellten, weshalb das Briefing auf Englisch abgehalten wurde. Nach 20 Minuten waren alle für die Gefahren und Notwendigkeiten sensibilisiert. Ziel war es, auf einem Rundkurs innerhalb von 9 Stunden so viele Runden wie möglich zu Mud Masters Obstacle Run Night Shift, Hindernislauf Deutschland, Briefing vor dem Startabsolvieren. Der Zieleinlauf musste zwischen 9 und 10 Uhr morgens erfolgen. Dies gab den Läufern die Möglicheit, bis kurz vor 10 Uhr die Ziellinie zu überqueren. Nach dem Briefing traf ich Franki, der mich die ersten 12 km begleitete und am Folgetag noch einmal die 18 km Strecke abreißen wollte. Der ausgewiesene Rundkurs war offiziell 6 km lang, allerdings stellte sich später heraus, dass er rund 7,2 Kilometer lang war (gemessen mit zwei unterschiedlichen GPS-Uhren). Hmmm, irgendwie kam mir das bekannt vor. Auch beim letztjährigen 24-Stunden-Lauf war die Runde um über einen Kilometer länger. Bei einer Dauer von 9 Stunden kommen da einige Kilometer zusammen, die nicht gezählt werden. Die Logik erschließt sich mir in diesem Fall nicht ganz. Ausgerüstet mit wasserdichten Stirnlampen ging ich mit Franki eine Viertelstunde vor Mitternacht in den Startbereich. Hier erwartete uns ein Meer von Stirnlampen und eine ausgelassene Stimmung.

Pünktlich um 0:00 Uhr wurde das Feuerwerk gestartet

Nach einem Einschwörungsritual ging es Punkt 0:00 Uhr auf die Piste, begleitet von einem grandiosen Feuerwerk, der die zu erwarteten Strapazen kurzzeitig vergessen ließ. Gestartet wurde mit dem Hindernis „Bunker Busters“, zwei hintereinander angeordnete Bunker, die sich uns in den Weg stellten. Gefolgt von „Mud Crawl“ und „Boulder“, einer rund 2, 50 m hohe Wand, die ohne Hilfe nur sehr schwer zu erklimmen war, da ein Überhang am oberen Ende eingebaut war. Hier halfen sich die Läufer gegenseitig über das Hindernis. Ehe die Strecke in den „Forest Trail“ mündete war eine weitere Wand, die „Wurm Wall“ zu meistern. Noch war die Stimmung unter den Teilnehmern ausgelassen. Doch die erste größere Mutprobe stand uns kurz bevor. „Execution“ by Night. Eine 4 Meter hohe Plattform bei der plötzlich der Boden unter den Füßen wegklappte. Diese Tatsache führt zu einem recht unguten Gefühl in der Magengegend. Uns wurde empfohlen, die Stirnlampen um den Hals zu hängen, da die Gefahr bestand, dass diese beim Eintauchen vom Kopf gespült werden würde. Diesem Rat folgte ich. Leider dachte ich in diesem Moment nicht an meine Mütze, die ich unter meinem Chicken trug. Nachdem sich die Klappe öffnete und ich ins Wasser eintauchte, merkte ich es sofort – meine Mütze war weg. Jetzt liegt sie in einer Kiesgrube in Weeze, im seichten Wasser verborgen. Mach´s gut, meine treue Mütze. Du hast mir immer tolle Dienste geleistet.

Trotz diesen Verlustes musste es weiter gehen. Also schwamm ich gemeinsam mit Franki im kühlen Nass ans Ufer. Direkt im Anschluß ging es durch ein paar Plastikröhren auf eine Plattform, eher wir wieder Fahrt aufnahmen. Der sandige Untergrund kostete bei jedem Schritt zusätzliche Energie. Nach „Net Crawl“, einem Kriechhindernis, ging es über „Mud Hill“, ein steiler Anstieg raus aus der Kiesgrube. Bevor wir in die Zweite hinabliefen, tankten wir an einem Verpflegungsstand Energie auf. Wasser (später ISO-Getränk) und Bananen standen zur Auswahl. Im folgenden Kessel mussten vorwiegend Holzwände unterschiedlichster Bauart wie „Wood Climb“, „Great Walls oder „Marine Table“ bezwungen werden. In der letzten Kiesgrube warteten weitere Highlights. Nach dem Reifenhindernis „Getting Tyred“ waren die „Monkey Bars“, ein Hangelhindernis, dass sich durch seine extreme Länge auszeichnete, dran. Zu Beginn war es recht einfach zu bewältigen. Je länger der Lauf dauerte, desto schwerer wurde insbesondere dieses Hindernis. Direkt im Anschluß konnte man sich beim „Flyer“ etwas „ausruhen“ und „einfach“ abwärts rutschen. Obwohl das mit der Höhe nicht mein Ding ist, ließ ich die Prozedur über mich ergehen. Stirnlampe abgezogen, Arme verschränkt, Kinn auf die Brust und schon ging es in die Tiefe. Nach wenigen Sekunden und einer Flugeinlage war es dann auch schon vorbei. Das machte wach. Den „Flyer“ während der Nacht zu „genießen“ ist ein ganz spezielles Feeling. Weiter ging´s durch ein Kriechhindernis, vorbei an einem hängenden Seil, mit dem man über ein Wasserbecken schwingen musste. Danach führte die Strecke raus aus der letzten Grube zurück auf das Eventgelände. Bevor die erste Runde komplett war, mussten noch eine Wand, die Half Pipe und der „Sizzler“, das Stromhindernis, bezwungen werden. Um ca. 1:13 Uhr überquerte ich gemeinsam mit Franki das erste Mal die Ziellinie.

Trotz zahlreicher Runden stellte sich kein Drehwurm ein

Verlustbilanz der ersten Runde. Eine Mütze. Da die Temperaturen recht mild waren, entschied ich mich dafür, auf die Mütze zu verzichten und nur mit meinem nassen Chicken weiter zu laufen. In der zweiten Runde zog sich das Feld schon etwas mehr in die Länge, Wartezeiten an den Hindernissen gab es praktisch keine mehr. Das war angenehm, da man durch die Wasserhindernisse immer wieder nass wurde, weshalb der Körper mit der Zeit unmerklich langsam auskühlte. Da war permanente Bewegung ein probates Mittel, dem entgegenzuwirken. Um eine weitere Unterkühlung der Läufer zu vermeiden, schlossen die Wasserhindernisse „Execution“ und „Flyer“ von 2:00 bis 7:00 Uhr ihre Pforten. Eine Massnahme, die meines Erachtens sinnvoll ist, denn man unterschätzt leicht die Gefahren einer Unterkühlung. Nach der zweiten Runde verabschiedete ich mich von meinem Begleiter Franki. Er durfte an der Matratze horchen, während ich unter dem Sternenhimmel weiter meine Runden drehte.

Kein Bier für die Nachtschicht während des Rennens

Bei meiner dritten Runde lief ich mit ein paar 18 km Läufern über die Ziellinie. Diese bekamen just nach dem Zieleinlauf ein alkoholfreies Bier in die Hand gedrückt. Hm, dachte ich mir, das wäre jetzt etwas und stellte mich ebenfalls an. Als ich vom Supporter gefragt wurde, ob ich bereits fertig sei, verneinte ich. Daraufhin wurde mir das „Rundenbier“ verweigert. Ich beschwerte mich zwar, aber fand kein Gehör. Das war enttäuschend. Dies merkte auch einer der 18 km Finisher und bot mir ein paar Schluck aus seiner Flasche an. Diese Einladung konnte ich natürlich nicht abschlagen. Genußvoll ran der Gerstensaft meine Kehle hinunter. Endlich etwas anderes als Wasser :-). Nach diesem Durstlöscher wechselte ich für die Nacht die Klamotten. Raus aus den Nassen, rein in die Trockenen. Hört sich komisch an, aber das tat richtig gut. Meine Stirnlampe, die recht schwach leuchtete, wechselte ich durch ein stärkeres Modell aus.

You never walk alone

Nach einer kleinen Stärkung aus meinem Proviantbeutel ging es weiter. Da die meisten Teilnehmer des 12 und 18 Kilometer Laufs bereits gefinished hatten, waren nur noch vereinzelt Läufer auf der Strecke anzutreffen. So konnte ich in der Ferne einzelne Lichter in der Dunkelheit tanzen sein. Allmählich stellte sich eine befremdliche Ruhe ein. So viel ich allmählich in den Modus „Kopf aus, einfach laufen“. Während ich lief, entschied ich mich dafür, keine längere Pause mehr zu machen. Ich wollte meinen Rhythmus beibehalten. So drehte ich meine Runden. Und ab und an traf ich auf einige Leidensgenossen, die sich wie meine Wenigkeit über den Kurs quälten. Insbesondere der lockere Untergrund machte sich immer stärker bemerkbar. Der Sand kostete viel Kraft und die Beine wurde jede Runde etwas schwerer. So ging die Nacht langsam vorüber.

Gefühlt waren gegen 4 Uhr morgens die wenigsten Läufer auf der Strecke, was aber letzendlich keine Rolle spielte, denn seit einigen Stunden lief ich im „Trance-Modus“. Gegen 5:30 begann die Sonne aus der Versenkung zu kommen. Das weckte die Lebensgeister in mir. Und noch waren die Wasserhindernisse geschlossen. Kurz vor 7 Uhr passierte ich noch einmal den Flyer. Das war´s dann auch mit den „Trockenübungen“.  Von nun an standen „Execution“ und „Flyer“ wieder auf dem Programm. Und die Überwindung war groß, sich wieder in die kalten Fluten zu stürzen. Ein Vorteil hatte „Execution“ wenigstens. Danach war ich wieder mehr als wach, bereit, die letzten Stunden in Angriff zu nehmen. Zudem waren wieder mehr Läufer auf der Strecke, was die Mud Masters Obstacle Run Night Shift, Hindernislauf Deutschland, Tough Chicken mit Dutch Mud ManMotivation zusätzlich steigerte. Und für den ein oder anderen Spaß war immer noch jeder zu haben. Nach zwei weiteren Exekutionen und Flugeinlagen überquerte ich gegen 8:30 Uhr die Ziellinie. Der Moderator fragte mich, ob ich denn noch eine Runde in Angriff nehmen wolle. Ich überlegte kurz, entschied mich dann für eine letzte Ehrenrunde, die ich vor 10 Uhr beendet haben musste. In dieser letzten Runde war es richtig einsam. Die Schritte wurden schwerer und schwerer. Ständig schaute ich auf meine Uhr, denn der Parcours zog sich wie Kaugummi. Fast hatte ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten. So war ich der letzte Läufer, der die 8 Runde in der vorgegebenen Zeit beendete. Nach 9:48:40, 8 Runden und 56 Kilometern überkroch ich als 19 von 138 Startern im vorgegebenen Zeitlimit die Ziellinie. Geschafft! Erschöpft, völlig leer, aber glücklich musste ich mich erst einmal sammeln, schnappte mir etwas apathisch mein wohlverdientes „Zielbier“, nahm meine Verpflegungstasche und bewegte mich Richtung Zelt. Hier angekommen setzte ich mich erst einmal in meine Behausung und sinnierte, starrte bewegungslos gegen die Zeltwand. Ehe ich mich wieder bewegte verging bestimmt eine halbe Stunde.

Auslaufen beim Mud Masters Familiy Run

Und das musste ich auch, denn zum Auslaufen standen 3,5 Kilometer Family Run mit meiner 10 jährigen Tochter auf dem Programm. Hätte ich meinen körperlichen Zustand vorher erahnt, hätte ich meiner Tochter diesen Lauf nicht vorgeschlagen. Mir taten alle Knochen weh. Aber da musste ich jetzt auch durch. Um 14:00 Uhr war es dann soweit. Ein lockerer Family Run mit meiner Tochter, wo ich ihr zeitweise den Vortritt lassen musste. Ein schöner Event, der Eltern wie Kindern sichtlich Spaß machte. Nach rund einer Stunde war auch das Auslaufen mit meiner Tochter geschafft. Glückliches Ende eines kräftezehrenden Wochenendes.

Mud Masters Obstacle Run Night Shift, Hindernislauf Deutschland, Streckenverlauf
Strecke Hindernislauf Mud Masters Obstacle Run Night Shift in Weeze

Fazit: Der Mud Masters Night Shift war ein sportlicher Höhepunkt, der mir im Gedächtnis bleiben wird. Von 138 Startern konnte ich nach 8 Runden, 56 Kilometern und  9:48:40 unter die Top 20 laufen. Strecke, Hindernisse und Orga waren top, lediglich bei der Verpflegung auf der Strecke hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht. Nach ein paar Stunden bekommt man zwar gelegentlich Halluzinationen, trotzdem wird aus Wasser kein alkoholfreies Bier und aus Bananen werden keine Äpfel.
Der anschließende Family Run war ein klasse Lauf, der sich hoffentlich etabliert. Hier können die Kids zeigen, was in ihnen steckt und sich einmal richtig einsauen. Eine willkommene Abwechslung zu iPad & Co.

Euer
TC

 

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