Erfahrungsberichte Hindernislauf Thüringen

Braveheart Battle. Die Rückkehr einer Legende.

Nach 8. absolvierten Braveheart Battles in Folge war ich natürlich auf den „neuen“ Braveheart Battle in Steinach, Thüringen, gespannt. Seit 2010 hatte ich keine Ausgabe der legendären Hindernislaufs verpasst. Der Kult-Lauf unter den Extrem-Hindernisläufen hatte 2018 mit der Absage und der Insolvenz des Veranstalters leider ein unrühmliches Ende genommen. Der Braveheart Battle stand stets für extremes Gelände, unendliche Höhenmeter, kalte Temperaturen und ein begeisterungsfähiges Publikum.

Die Macher rund um das Team von Christoph Zitzmann und Jörg Lindemann haben es mit dem „neuen“ Braveheart Battle geschafft, an seine Tradition anzuknüpfen. Und in technischer Hinsicht haben sie dem Braveheart Battle ein gelungenes Update verpasst. Die künstlichen Hindernisse waren im Vergleich zu den Vorjahren anspruchsvoller und zahlreicher. Die Strecke: 1.750 Höhenmetern auf rund 24 Kilometern mit 24 Hindernisse. Eine Herausforderung mit höchstem Quälfaktor.

Strecke des Braveheart Battle in Steinach

Braveheart Battle, Hindernislauf Thüringen, Übersicht Hindernisse
Braveheart Battle, Hindernislauf Thüringen, Übersicht Event-Arena

Zurück zum Start. Am Samstag erfolgte meine entspannte Anreise nach Steinach in Thüringen. Bei Veranstaltungen die weit entfernt vom Heimatort liegen hat der Sonntag als Event Tag klare Vorteile. Nachteil: Die Rückfahrt kann, der körperlichen Verfassung entsprechend, zur Tortur werden. Bei der Abholung der Startunterlagen im Stadion hatte ich die Gelegenheit, die Hindernisse in der Event Arena näher zu begutachten. Neben den Hangel- und Kletterhindernissen fiel mir insbesondere Dip N‘ Dive sowie Ravenol Barrel ins Auge. Hmmm, ein Wasserhindernis zu dieser Jahreszeit? „Das wird unangenehm, das wird kalt“, schoss es mir durch den Kopf. Und so richtig hatte ich es nicht realisiert, denn am Renntag war die obligatorische Bademütze nicht am Mann. Das Gelände und die Infrastruktur machte einen guten Eindruck. Ideal um einen Hindernislauf durchzuführen. Die Gebäude und Einrichtungen erleichterten die Verpflegung und Unterbringung der Bravehearts.

Am nächsten Morgen machte ich mich nach einem kurzen Frühstück im nahe gelegenen Hotel auf Richtung Steinach. Der Parkplatz im Ort war bereits gut gefüllt. Dennoch konnte ich noch einen Platz für meinen fahrbaren Untersatz ergattern. Nach einem kurzen Fußmarsch Richtung Event Area traf ich bereits erste bekannte Gesichter, die vor dem Gebäude warteten. Nach einem kurzen Schnack bewegte ich mich Richtung Bag Drop, um meine Tasche abzugeben. Leider knubbelten sich im Vorraum des Gebäudes die Teilnehmer. Taschenabgabe, Abholung der Startunterlagen und die Toiletten waren zu dicht aufeinander. Somit gab es einige „Konflikte“ zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen, die sich aber nach einiger Zeit auflösten. Rund 15 Minuten vor der Startzeit um 10 Uhr ging es mit bekannten Mitstreitern Richtung Start. Am Fuße des Skihangs angekommen traf ich weitere bekannte OCR-Haudegen. Schön, das Revival des Braveheart Battle hat seine Faszination unter der OCR Fan-Gemeinde nicht verloren. Dann konnte es ja losgehen.

Start um 10 Uhr zum 9. Braveheart Battle

Pünktlich um 10 Uhr rollte eine Masse an Läufern den schneebedeckten Berghang hoch. „Kill Hill“ war die erste Prüfung, die es zu meistern galt. Und hier gab es direkt eine erste Sprintwertung. Meine Pumpe lief nach kürzester Zeit auf hochtouren. Verfeinert wurde die Startprozedur durch schwarze Rauchkörper auf der Strecke. Der Qualm nahm einem etwas den Atem. Nun gut, das gehört zum Braveheart Battle eben dazu. Der Schnee war recht nass und daher rutschig. Gemeinsam mit den anderen Bravehearts quälte ich mich den Hügel an der Skiarena Silbersattel hinauf. Beinahe an der Mittelstation merkte ich, dass ich meine Laufuhr noch gar nicht aktiviert hatte. Schnell das Knöpfchen gedrückt und schon tickte die Zeit. An der Mittelstation führte die Strecke nach rechts direkt wieder abwärts.

Up- and Down im Steinacher Forst

Nach einem kurzen Straßenabschnitt ging es ins Unterholz auf einen Waldweg Richtung Steinach. Das Feld war immer noch dicht gedrängt, was ein schnelles Fortkommen erschwerte. In der Regel bin ich kein Freund von Massenstarts, da es immer recht lange dauert, bis sich das Feld auseinander zieht. Sind zum Beginn genügend Anstiege vorhanden, wie beim Braveheart Battle, ist der Massenstart vertretbar, da sich die Läufer schneller auf der Strecke verteilen. Kaum in Steinach eingelaufen, wurden wir von den ersten Zuschauern lautstark angefeuert. Vorbei an einer ersten Verpflegungsstation folgte ein weiterer Anstieg in Form eines schmalen Waldpfads. Hier war Karawane angesagt. Langsam hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Und es begann, Spaß zu machen. Hört sich seltsam an, ist aber so. Aus irgend einem Grund liebe ich es, Anstiege zu bewältigen. Und das obwohl ich diesbezüglich im flachen Rheinland keine optimalen Trainingsmöglichkeiten habe. Nach rund 40 Minuten und einigen Kehren im Wald erreichten wir einen Wendepunkt. Hier erwartete uns ein ganz besonderer Fan, der laut brüllend, beinahe wie Rumpelstilzchen, jeden einzelnen Läufer abklatschte. Und er schien keine Pause zu machen. Am Rande der Strecke vernahm ich das erste Gackern verzückter Chicken Fans. Schön, dass die Zuschauer auch ihren Spaß hatten :-). Von hier aus ging es kurz wieder talwärts ehe es nach einer scharfen Kehre erneut aufwärts ging. Der Anstieg führte durch den Wald Richtung Skipiste, wo die ersten längeren Schneepassagen warteten.

Winter Wonderland für Bravehearts

Jetzt wurde des Braveheart Battle frostig, eisig und kalt. Die Strecke führte zwischen zwei Pistenraupen hindurch. Das Hindernis „Snow Patrol“ bestand aus mehreren Schneehügeln und einem Kriechhindernis. Im Anschluß erteilte uns „Ice-Breaker“ eine gehörige Abkühlung. Zwei sprühende Schneekanonen, die hintereinander angeordnet waren, mussten passiert werden. Der Ersten bin ich ziemlich Nahe gekommen, weshalb mich ein frostiger Eisregen erwischte. Die Sicht war extrem eingeschränkt. Shit, damit hatte ich gar nicht gerechnet. In Folge dieses Erlebnisses versuchte ich, der zweiten Schneekanone etwas auszuweichen, was nur bedingt gelang. Schlagartig war ich nass, mir war kalt und mein Chicken ließ die Flügel hängen. Nur eine Maßnahme konnte da Abhilfe schaffen. Laufen, laufen und in Bewegung bleiben. Nach dem Hindernis „Carry On“, dem obligatorischen Sandsack schleppen, führte die 24 Kilometer Strecke erneut den Berg hinab. Was sonst. Die erste Kältezone hatte ich hinter mir. Ich war froh, durch ein gesteigertes Tempo wieder etwas aufzuwärmen.

Steil, steiler, Breaveheart Battle

Nach einer längeren Passage durch den Wald gelangten wir erneut auf die Skipiste. Und die hielt eine Überraschung für uns bereit. Die Strecke folgte der Schwarzen Piste. Natürlich bergauf. Schöne Scheiße. Dagegen war der Starthügel „Kill Hill“ Kindergarten. Alle Bravehearts quälten sich auf dem nassen Schnee die Piste empor. Viele rutschten weg oder mussten eine Pause einlegen. Meine Pumpe lief erneut auf hochtouren. Es schien, als wolle der Steilhang niemals enden. Oben angekommen ging es kehrt wendend einen weiteren Skihang wieder hinunter. Der Schnee war bereits richtig schwer und nass. Ich sank bis zu den Schienbeinen im Schnee ein. Bergabwärts machte es richtig Spaß, denn der Schnee bremste meine Geschwindigkeit. Unten angekommen stellte sich uns die nächsten Hindernisse in den Weg. Bei „Robber“ waren Abwasserrohre auf einem Gestell in Brusthöhe angebracht. Durch die Nässe waren sie sehr glitschig, weshalb nicht nur ich vorsichtig darüber glitt. Es folgte“Straw“, eine Strohpyramide, „Hang Loose“, Leitern zum Hangeln und „Wall“ eine schräge, rund 4 Meter hohe Eskaladierwand, an der wir uns mit Hilfe eines Seils hochziehen mussten. Gerne nahm ich danach die an der Mittelstation aufgebaute Verpflegungsstation in Anspruch. Der heiße Tee war zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige. Hier teilte sich dann die Strecke. Die 12 Kilometer Läufer liefen Richtung Event Arena, wir, die 24 Kilometer Bravhearts, gingen auf die zweite Runde.

Mehr Höhenkilometer. Mehr Spaß. Oder?

Der Vorteil der zweiten Runde. Freie Bahn, da nun weniger Bravehearts durch die Wälder streiften. Fast wie bei einer verlorenen Schlacht in den Highlands. Die zweite Runde ging allerdings stärker an die Substanz, langsam merkte ich die unzählig zurückgelegten Höhenmeter. Am Verpflegungsstand „Bergstation“ boten mir ein paar Kinder ihre Keks an, welche ich dankend annahm. Auf meine Frage, warum sie nicht mitlaufen würden, erwiderten sie, dass ihnen das zu nass und schmutzig sei. Recht hatten sie. Was dachten sie wohl über das alte Tough Chicken? Der zweite „Ice-Breaker“ hatte es auch diesmal in sich. Ursprünglich wollte ich ihn etwas „umgehen“, um nicht direkt im Strahl des Eisregens zu laufen. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Streckenposten gemacht, die die Schneemaschine gezielt auf die Läufer ausrichteten. Danke dafür :-). Nach dem Hindernis „Carry On“ ging es links durch den Wald der „kleinen“ Runde folgend. Nichtsdestotrotz standen auch beim zweiten Mal der Steilhang und die Hindernisse an der Mittelstation auf dem Programm.

Das Beste kam zum Schluss. Gehirnfrost im Freibad.

Durchnässt und ausgelaugt freute ich mich auf die erneuten Heißgetränke an der Verpflegungsstation. Rund 20 Kilometer Laufpensum waren absolviert. Jetzt ging es den Starthang hinab. Die letzte Schneepassage vor der Event-Arena. Das Lauffeld war stark ausgedünnt. Auf dem Rückweg kamen mir bereits einige 12 km Finisher entgegen. Bevor es ins Stadion ging mussten noch „Hang Loose“, Strickleiter und Seilsteg, sowie die „Stairs“, die Treppen einer alten Skiflugschanze, gemeistert werden. Jetzt waren noch einmal die Oberkörpermuskulatur gefragt. Wassercontainer („Beatboxen“), Hangelhindernis („Swing“), Reifenparcours („Wheels“) und 2,60 Meter hohe Eskaladierwände stellten sich mir in den Weg. Bei den Wänden halfen sich die Bravehearts mit gekonnter Teamarbeit über die Hindernisse. „Carwreck“ und „Barret“ waren zwei leichtere Übungen ehe es Richtung Schwimmbad ging. Brrr. Jetzt wurde es noch einmal richtih, richtig frostig. Neben dem Becken stand ein Schild: 8 °C Wassertemperatur, 3,80 m Wassertiefe. „Bitte Schwimmen“. Nun ja, anders würde ich wahrscheinlich auch nicht auf die andere Seite kommen :-). Am liebsten hätte ich das nicht gelesen. Da lagen sie. Sieben Baumstämme die es zu untertauchen galt. Es half alles nichts. Am Besten geht man eine solche Challenge schnell an. Also rein ins Wasser, zum ersten Baumstamm schwimmen und noch einmal durchatmen. Drei, zwei, eins. Los. Direkt nach dem ersten Baumstamm verlor ich unter Wasser mein Chicken, das dank einer Schnur bei mir blieb. Dann ging es rasch. Nicht viel nachgedacht tauchte ich zügig nacheinander unter den Baumstämmen durch. Zwischen jedem Untertauchen nahm ich an der Oberfläche einen kräftigen Atemzug. Nach dem letzten Baumstamm spürte ich bereits den Boden unter den Füßen. UND meinen Kopf. Der hatte extreme Kaltkrämpfe. Es hämmerte, pochte und dehnt sich im Oberstübchen. Das war extrem krass. Hmmm, warum macht man das immer wieder. Wahrscheinlich für das Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt. Das Hindernis „Ravenol Barrel“ war zur Seite geschoben, weshalb wir lediglich auf die andere Seite schwammen. Nach Dip N‘ Dive war das beinahe ein Wellness-Schwimmen.

Hindernislauf Braveheart Battle, Steinach, Thüringen

Ende gut, Tough Chicken gut.

Die letzten Hindernisse konnte ich dann recht schnell bewältigen. „Mud“, „Wood-Climb“, „Crawl“ und „Freeze“ stellte kein großes Problem mehr dar, ehe ich mich nach dem Feuersprung ins Ziel rettete. Nach 3 Stunden und 38 Minuten war die Tortur beendet. 505 in der Gesamtwertung, 14 in meiner Altersklasse. Das war ein respektables Ergebnis, obwohl das nicht das entscheidende war. Zusammen mit allen anderen Bravehearts den Kurs bewältigt, eine ordentliche Portion Adrenalin genossen und viele bekannte Gesichter wieder getroffen. Das hat Spaß gemacht!

Fazit zum neuen Braveheart Battle

Die Premiere des neuen Braveheart Battle kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Geländebeschaffenheit, Frostfaktor, Höhenmeter und die Hindernisse bilden einen anspruchsvollen Extrem-Hindernislauf. Das Veranstaltungsgelände rund um die Skiarena Silbersattel Steinach bot eine sehr gute Infrastruktur, auch die Parkplatzsuche im Ort klappte recht gut. Lediglich die Taschenabgabe kollidierte etwas mit der Startnummernabholung und den Toilettengängern. So bildete sich im Vorraum ein größerer Teilnehmerknubbel, der sich nach einiger Zeit aber Gott sei Dank auflöste. Größere Mülltonnen an bzw. einige Meter hinter den Verpflegungsstationen wären praktisch, dann würden nicht so viele Trinkbecher nach den Stationen auf dem Boden landen. Das sind aber Kinderkrankheiten, die leicht behoben werden können und dem Erlebnis Braveheart Battle keinen Abbruch tun. Deshalb: Weiter so, einer Wiederholung im südlichen Thüringen im folgenden Jahr steht nur die Gesundheit und der Terminplan im Wege. Vielleicht schaffe ich es ja, auch beim 10. Braveheart Battle dabei zu sein.

Auch Lust bekommen, diesen knackigen Hindernislauf zu bezwingen? Den Termin und weitere Infos findet ihr hier.

Euer
TC

Braveheart Battle, Hindernislauf Thüringen, Streckenprofil
Höhenprofil (graue Fläche) Braveheart Battle, Steinach, Thüringen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.